Monday, December 18, 2006

Abschiedsparty - die zweite

Wie göttliche Fügung erschien es dass mein letzter Abend in Mexiko auf einen Samstag gefallen ist, und göttliche Fügung war es wohl auch, dass an diesem Abend der Tequila in der Bunka-Bar zum Selbstkostenpreis angeboten wurde :->
Meine Mitbewohner konnten leider nicht kommen, und die meisten meiner Freunde sind in den Ferien zu ihren Familien gefahren. Jedenfalls waren wir nur zu dritt: Vic, Cheves und ich :o)
Aber mal ganz ehrlich: Wer braucht schon alle seine Freunde wenn es....

.....dies.....

.... und das gibt?!

Jedenfalls haben wir einen tollen Abend verbracht, wobei einer meiner Freunde seine Grenzen nicht kannte und quasi mit der Buddel alleine durchgebrannt ist ;o)

San Blas

Bevor es heimgeht, nochmal schnell an den Strand gefahren, man muss sich ja von der vielen Arbeit erholen ;o) Also schnell schnell mit dem Studentenrabatt für 20€ in den Bundesstaat Nayarit gefahren. Und dort in das Örtchen San Blas, an der Pazifikküste. Das Ort liegt im Nix, hat nix zu bieten außer einem tollen Strand und Kampfpreisen (Limonade direkt am Strand: 0,80€)! Insgesamt bin ich hier 4 Tage geblieben, dann gings wieder zurück..

Eine Palme... 50 Pesos


Ein Krokodil... 100 Pesos


ein mexikanisch friesieres Auto.... unbezahlbar ;o)

Wie Männer Koffer packen

32 Kilo - soviel darf in einen Koffer. Wenn nicht, gibts Stress von der Fluggesellschaft. Aber woher wissen, wieviel drin ist? Naja, dafür schicken einen die Eltern ja nach Mexiko studieren. Also sich schnell ne mexikanische Waage gebaut:

Als Wägegewicht kommt mal wieder ein praktischer Garaffon zum Einsatz (Dein Freund in allen Lebenslagen!) Der Garaffon hat 20 Liter Wasser, wiegt also ziemlich genau 20 Kilo. Auch wenn es unglaublich erscheint, habe ich obige Vorrichtung ohne Zuhilfenahme eines Computers designt und berechnet. Weil auch Fachleute Probleme haben werden, dieses überaus komplizierte Wägesystem zu verstehen, werde ich meine neue Erfindung (US-Pat.-Nr. 08/15) mal kurz erklären: Sobald sich der Garaffon mit dem Koffer die Waage hält (ist ungefähr genau dann der Fall wenn das Haus nicht unter Wasser steht) misst man mit einem Blatt Papier die Hebellängen ab. Nach links 2 Blatt und nach Rechts 1 1/4 Blatt. Dann kommt man mit der Einstein'schen Elementargleichung auf: 20 kilo * 2 Blatt / 1,25 Blatt = 32 Kilo.
Natürlich wurde die mexikanische Sicherheit von genau 0 Kilo schon dazugerechnet ;o)

Abschiedsparty - die erste

Die Zeit geht vorbei - und natürlich muss man sich verabschieden. Klug wie ich bin, verabschiede ich mich schon 3 Wochen bevor ich nach Hause gehe. Denn wer weiß wann man sich wieder sieht? Ne andere Abschiedsparty kann man schließlich immer noch mal hinterherschieben. Also hab ich kurzerhand eine eh angesetzte Party der ganzen Wohnanlage zu ner Abschiedsparty umfunktioniert. Lustig war, dass ich 80% der Leute die sich von mir verabschiedet haben, vor der Party gar net gekannt habe :o) Typisch Mexiko eben.
Wir haben Aqua Loca gemacht. Aqua Loca ist die billigste Methode, ne Party zu schmeißen. Man nehme 10 Liter Wasser, gebe 4 Flaschen Tonayan dazu (Eine Spritiuose, wobei man bei einem Literpreis von 1€ durchaus auch von Plörre reden kann), Zucker und noch ein Horchata- oder Erdbeeraroma dazu. Dann gut schütteln, und dann hat man 20 Liter Mixgetränk der absolut miesesten Qualität, das höllische Kopfschmerzen bereitet, aber seinen Zweck trotzdem erfüllt....
Eine würdige Abschiedsparty mit vollem Haus und guter Stimmung, so muss es sein...

Thursday, December 07, 2006

Warum Mexiko nicht Deutschland ist

Eigentlich möchte ich diesen Eintrag gar nicht schreiben müssen. Vorgestern hatten wir meine Abschiedsparty gehabt, gestern Grillabend. In 2 Stunden werde ich an die Küste fahren. Heute ist der 7. und in genau 10 Tagen geht es wieder nach Deutschland. Schnell noch den Rucksack gepackt, an die Dokumentenbox gegangen. Huch, wo ist denn die Kohle hin? Nach 20 Minuten suchen hat sich herausgestellt: Sie wurde mir wohl auf der Party gezockt. Eigentlich dachte ich, gut vorgesorgt zu haben, weil ich meine Zimmertür abgeschlossen komplett abgeschlossen hatte. Aber wie sagt ein hessisches Sprichwort doch so schön: "Denke bringt nix".
Schade, dass mir sowas gerade im Endspurt nochmal passieren musste.

Guckst du (blöd) - Wo war doch gleich die Kohle?!

Friday, November 24, 2006

Mexiko-Stadt

Das letzte Wochenende war ich mit ein paar Deutschen in Mexiko-Stadt gewesen. Insgesamt haben wir 4 Tage in der Hauptstadt Mexikos verbracht. Und es hat sich wirklich gelohnt!
Hier stelle ich mal ein kleiner Reisebericht.

Freitag:
Ein Anruf um exakt 8:10 hat mich geweckt. "Du wolltest doch um 8 Uhr bei mir sein" quäkt Harry ins Telefon. Ups. Mal wieder verpennt. Aber halb so schlimm, eine halbe Stunde später habe ich dann bei ihm auf der Matte gestanden. Noch schnell Frühstück fassen, und ab gings mit dem Bus ins Chaos. 3 Stunden später standen wir dann in der smogverseuchten, auf 2500m gelegenen Stadt. Mexiko-Stadt ist nicht nur die wichtigste Stadt in Mexiko ("Alles was in Mexiko passiert, passiert in Mexiko-Stadt") sondern auch die Hauptstadt des Verbrechens. Also Geldbeutel gut festhalten. Dann mit einem der Elektrobusse bis ins Zentrum gefahren. Andauernd steigen irgendwelche Leute zu, die Batterien oder schlecht gedruckte Kochbücher verkaufen. Dort erstmal die Jugendherberge am Zócalo besucht, übrigens einer der größten Plätze der Welt. Für 120 Pesos (8-9€) pro Nacht ein Zimmer bezogen. Dann erstmal das Zentrum erkundet, nur mit ein paar Scheinchen Bargeld in der Tasche. Andauernd kommen irgendwelche 'hilfsbereiten' Kinder, die einem Aufkleber irgendwo hinkleben, und dann Geld wollen. Oder Schuhputzer, die einem freundlich Auskunft geben, und dann für ihre wertvollen Informationen 10 Pesos haben wollen...
Dann nochmal schnell zum Templo Mayor gegangen, dem Zentrum Tenochtitlans, bevor die Spananier dort alles platt gemacht haben. Dort waren wir auch in einem Museum gewesen, welches die Ausgrabungen dieses Ortes zeigt. Man kann ja viel über die Mexis sagen, aber nicht, dass sie ihren kulturellen Schatz vergammeln ließen. Die Museen sind erstklassig.
Abends sind wir dann mit der U-Bahn nach "La Condeza" gefahren, einem Stadtteil mit hunderten Bars. Nach ewigem Suchen und einem halbstündigen Marsch durch leergefegte, unbeleuchtete Straßen haben wir dann eine Bar gefunden, wo es sich echt aushalten ließ.

Samstag:
Heute sind wir mit dem Touribus durch die Stadt gefahren:

Kaum sind wir am Ángel de Independencia angekommen, wurden wir auch schon von mexikanischen Spezialeinheiten festgenommen wegen unerlaubter touristischer Aktivität.
Gegen eine Mordida von 10 Pesos haben sie uns dann aber wieder laufen lassen ;o)

Danach haben wir uns mit Mortiz getroffen, einem anderen Austauschstudenten, der spaeter nach Mexiko nachgekommen ist. Abends wollten wir wieder Party machen gehen, diesmal in der Zona Rosa. Auf unserem Hotelzimmer ist an diesem Tag ein Spanier eingezogen, den haben wir natuerlich mitgenommen. Sehr witzig, sich mit dem zu unterhalten. "Y vosotros, que haceis?" Aber in der Zona Rosa haben wir keine gescheite Bar gefunden, also durch dunkle Strassen 45 Minuten dorthin gelaufen, wo wir schon am Abend zuvor waren: In die Bar "Pata Negra". Dort war aber eine richtig gute Salsa-Band, die so richtig Stimmung gemacht hat. Ich habe euch sogar mal ein Video besorgen können :o)





Sonntag:

Am Sonntag sind wir in das Antropologische Museum in Mexiko-Stadt gegangen. Leider hatten wir nur ca. 2 Stunden Zeit, um uns dort umzusehen. Es heißt, dass dies eines der weltbesten Museen sein soll. Dort sind alle wichtigen Schätze ausgestellt, die irgendwann mal in den Ausgrabungsstätten in Mexiko gefunden wurden.


Danach waren wir bei einem Stierkampf gewesen, aber das Wetter war leider ziemlich mies. Und Stimmung kam im fast leeren Stadium auch nicht auf. Selbst die Stiere hatten wohl nicht richtig Lust gehabt. Aber einmal hätte fast die Gastmannschaft gewonnen: Ein Matador ist ausgerutscht und wurde vom Stier auf die Hörner genommen und herumgeschleudert. Das sah echt böse aus, aber weil der Stier schnell abgelenkt werden konnte, ging die Situation glimpflich aus. Für den Torrero zumindest.

Montag:
... war ein Gammeltag. Im Zentrum war irgendein Umzug wg. Revolutionsfeierlichkeiten gewesen, deswegen war überall im Zentrum die Metro geschlossen. Zuerst wollten wir nach 'Xochimilco' fahren (bei den wirklich aufmerksamen Lesern klingelts jetzt), aber weil wir uns nicht einigen konnten sind wir dann in einen Freizeitpark gegangen. Dort gabs eine 15 Jahre alte Holzachterbahn, der man das Alter auch schon angesehen hat. Ein Fehler war, sich in den vordersten Wagen zu setzen. Weil dort hat man die ganze Strecke gesehen, und ein "Ohoh, das geht nicht gut"-Gefühl kroch in mir so langsam hoch. Sind dann aber doch angekommen ;o)
Danach waren wir als Abschluss noch schick im Sanborns essen gewesen, um die Reise noch schön ausklingen zu lassen...


Thursday, November 02, 2006

Kämpfe in Oaxaca

Wie ihr vielleicht noch wisst, war ich vor ein paar Wochen in Oaxaca gewesen. Die Bilder, die ihr hier findet, waren aus dem Stadtzentrum. Kurz davor wurde vom Gouverneur Ulises Ruiz versucht, den bis dahin friedlichen Protest durch Polizeikräfte gewaltsam aufzulösen. Erfolglos, die Protestanten, die sich APPO nennen, konnten das Stadtzentrum trotz einiger Toter halten. Das war der aktuelle Stand, als wir in Oaxaca waren.
Ende letzter Woche wurde ein amerikanischer Journalist, der eindeutig als solcher zu erkennen gewesen war, durch gezielte Schüsse getötet. Es heißt, dass ihn wohl Polizei in Zivil erschossen haben soll.
Daraufhin wurde vom Präsidenten Mexikos, Vicente Fox, die PFP (Policía Federal Preventiva, dt. 'Bundespräventionspolizei') mit ca. 5000 Einsatzkräften nach Oaxaca geschickt, um dort die Stadt einzunehmen, was auch gelang. Leider waren auch hier wieder Tote zu beklagen.
Die APPO zog sich zurück auf das Universitätsgelände.
Heute gab es wieder Zusammenstöße zwischen der PFP und der APPO, wobei es der PFP nicht gelang, die brennenden Barrikaden zu beseitigen, was somit als Erfolg für die APPO zu verbuchen ist.
Die APPO will erst den gewaltsamen Widerstand aufgeben, wenn Ulises Ruiz tot oder zumindest kein Gouverneur mehr ist. Unzweifelhaft würden sie ihn lynchen, wenn sie wüssten, wo er sich aufhält.
Leider werden wahrscheinlich noch mehr Menschen sterben müssen, bis die gewaltsamen Proteste beendet sind. Die eigentlich Geschädigten sind die Kinder - die APPO war zu Anfangs eine Protestbewegung von Lehrern, die für die Angleichung ihrer Löhne an das Niveau anderer Bundesstaaten forderten. Seit einem halben Jahr fällt der Unterricht ersatzlos aus.

Hier ein paar Links:
REUTERS - Demonstranten drägen Polizei zurück
WELT - Schüsse, Blut & Steine
SPIEGEL - Ruiz lehnt Rücktritt ab


Hier ein Link einer linken Protestbewegung (mit Vorsicht zu genießen!):
Gruppe BASTA

Tuesday, October 10, 2006

Was völlig uninteressantes....

Schaut euch mal diesen Link an!

http://focus.msn.de/panorama/welt/italien_nid_36846.html

Und ich habe es immer gewusst:
Typen mit Fishbone-Pullis sind die gefährlichsten Gangster ;o)

Sunday, September 24, 2006

Der Tacomann

Fernando heißt er, der bei uns um die Ecke immer Tacos und Tortas macht. Wegen meinen überragenden Kochkünsten bin ich dort eigentlich fast immer anzutreffen. Naja, irgendwann fragt er mich mal, was ich hier im Dorf mache.

- Maschinenbau studieren
- Ah, also hast du also im Moment auch Kurse in Strömungsdynamik und Regelungstechnik
- ??? Öhm, ja?!? (Woher weiß der Tacomann von der Existenz des Faches Strömungsdynamik?)
- Naj
a, hast du auch Projekte?
- Ja, im Moment müssen wir die Rolläden von einem Gewächshaus automatisieren
(vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen)
- Naja, dann brauchst dur zur Temperaturmessung einen LM75 empfehlen, dann eine SPS-
Steuerung und zum Antrieb Schrittmotoren!
- ?????? (Der Mann ist Tacoverkäufer
!)
- 'tschuldigung, woher wissen sie das alles?!

- Ja, ich habe 4 Jahre an der UNAM (die beste Uni in Südamerika) Elektrotechnik studi
ert. Steckkarten für Computer entwickelt, meine Diplomarbeit war die Klimaregelung eines Gewächshauses. Habe mich dann aber kurz vor Abschluss mit meinem Mentor zerstritten. Darauf habe ich mich entschlossen, wie meine Vorfahren Tacos zu machen....

Ei der Daus! Da denkt man, ein Tacomensch hat mich Ach und Krach die Grundschule fertiggemacht, und dann sowas. Lerne: Beurteile Menschen niemals nach seinen Lebensumständen!

Vorher hat er in Mexiko-Stadt gelebt, und dort allerlei 'amüsante' Geschichten erlebt:

Kunschaft sitzt im Laden. Auf einmal kommt ein Typ rein. Hey, wem ist denn das Auto, dass vor der Tür parkt? Daraufhin antwortet ein Kunde dass es seines wäre und was denn los wäre. Der Typ holt eine Pistole raus, bedroht den Gast und sagt: "Na dann die Schlüssel bitte!"

Als sein Bruder Dienst hatte, war gerade eine Gruppe Polizisten am futtern. Sie verlassen die Bude. Daraufhin der Bruder: "Hey, sie haben vergessen, zu bezahlen" Kommt ein Polizist zurück, hält dem Bruder die Waffe an die Schläfe und fragt: "Glaubst du wirklich, dass wir das Bezahlen vergessen haben?"
So läuft das hier. Deswegen immer schön den Ball flach halten.. ;o)


Fernando am Tortaschnippeln


Hier eine 'Torta de Pierna' in der Herstellung. Und ja nicht die Salsa vergessen! ;o)


Nee, kein Döner!
So sieht der noch ungegarte 'Pastor'-Spieß aus. Garantiert kein Gammelfleisch!

Thursday, August 31, 2006

Häuserwechsel etc.

Ja, das Semester hat wieder angefangen, und prompt zum Semesteranfang musste ich mir eine neue Bude suchen. Mein alter Mitbewohner sagte mir eines Tages, dass der Mietvertrag in 2 Wochen auslaufen würde und wir raus müssten weil der Sohn des Vermieters einziehen wolle. Am Tag des Auszugs erfahre ich dann von unserem Vermieter, dass wir gehen müssen, weil mein Mitbewohner schon seit 3 Monaten keine Miete mehr bezahlen würde. Danke für das Gespräch.
Jetzt wohne ich hier ganz nahe an der Unil, leider habe ich keinen Pool mehr, dafür ein viel schöneres und größeres Zimmer, wieder mit eigenem Bad. Meine beiden neuen Mitbewohner heißen Oscar und Igor. Ersterer wird von seinen Freunden Boiler genannt, weil er immer heiß ist und dann doch nie zum Stich kommt :) Beide sind sehr organisiert und hilfsbereit. Igor leiht mir sogar ab und an sein Auto, so dass man sich die Kosten fürs Taxi sparen kann. Es gibt aber auch Nachteile. Wenn wir jetzt eine Party in unserem Haus haben, kommen 90% Kerl, oder, wie der Mexikaner sagen würde, puro Tornillo ("nur Schrauben"). Deswegen muss ich wohl einmal meinen abendländischen Charme spielen lassen um die Quote ein wenig zu ändern :)

Die neuen Deutschen sind da! Ich habe sie von dem Busterminal abgeholt und dann erst einmal bei meiner alten Gastfamilie untergebracht. Selten habe ich so dankbare Menschen gesehen, denn sie waren so froh ein Dach über dem Kopf zu haben. Inzwischen haben sie sich aber auch wieder ganz gut eingelebt.

Die deutschen Mädels waren letztens hier um Brezeln zu backen. Die Brezeln sahen recht gut aus, die Küche weniger!

Die deutschen Mädels (l: Manuela, r: Annelene) beim Brezelbacken

Ansonsten date ich wie eh und jeh. Eigentlich könnte man jeden Abend mit einer anderen weggehen. Das Problem sind aber die begrenzten finanziellen Mittel. Die Frage ist also, in wen investiert man das Geld am besten? Und wir reden hier von Mexikanerinnen, das heißt dass er grundsätzlich zu bezahlen hat wenn man sie ausführt.

Wednesday, August 02, 2006

Oaxaca

Mit meiner letzten Reise habe ich den Südosten Mexikos kennengelernt, fehlte nur noch der Südwesten, Oaxaca. Oaxaca ist sowohl Bundesstaat als auch Stadt. Im Moment ist die Stadt öfters in den Nachrichten zu sehen, weil mehrere tausend Lehrer für höhere Gehälter protestieren. Der Gouverneur hat dann diese Proteste gewaltsam auflösen lassen wollen, jedoch ist es den Polizeikräften nicht gelungen, den Zócalo (Hauptplatz) zu räumen. Die Protestanten behaupten, dass 11 Personen, darunter 3 Kinder, bei diesen Protesten getötet worden sein sollen. Obwohl ich den offziellen Standpunkt der Regierung nicht kenne, so bin ich mir sicher, dass diese eine andere Version der Geschichte haben. Und die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte zu suchen sein. Naja, jedenfalls ist auf dem Zócalo immer noch viel von den Protesten zu sehen.

Proteste auf dem Zócalo, hier ein Plakat der "Partido Comunista de México"


Monte Alban ist ein indianisches-Ruinenkulturausgrabungsort mit vielen schönen Pyramiden und vielen gaaanz alten Steinen. Was gibts da sonst noch zu sagen? Sieht schön aus, ist es auch, aber länger als eine halbe Stunde konnte ich mich dafür nicht begeistern. Dafür mein Kumpel Will, der jeden Quadratzentimeter des Berges mit seiner Kamera abgelichtet hat.


Monte Alban mit - na wem schon?

Kommen wir auf die kulinarischen Delikatessen zurück, die es so in Oaxaca gibt. Das Highlight sind für uns zwangsläufig die Chapulínes, landläufig auch als Grashüpfer bekannt. Der - übrigens schon tote - Grashüpfer wird mit Chiligeschmack und Limone gereicht. Ich habe sie übrigens selbst probiert - jawohl! Während der ersten zwei noch Überwindung gekostet haben, ging die restliche Tüte dann runter wie Kräcker. Mahlzeit.


Gut Sortiert: Verschiedene Größen, verschiedene Geschmacksrichtungen...


So verbrachten wir die ersten 2 Tage in Oaxaca City, später ging es dann für 4 Tage in die Berge auf eine Hiking-Tour. Um wirklich billig zu leben, haben wir uns im WAL-MART ein einfaches Zelt gekauft, und sind dann mit einem klapprigen Bus die Berge hochgeklettert. Während in der Stadt unten noch sommerliche Temperaturen waren, hat es dann in den Bergen ziemlich gefröstelt. Ziemlich dumm, dass man sich ausgerechnet die Regenzeit für dieses Unternehmen aussuchen musste. Regenzeit in Mexiko bedeutet - wie in so vielen anderen Regionen der Welt auch - dass es viel regnet. Nach 15km durch nur landschaftlich mittelmäßig interessante Wälder sind wir dann total durchnässt in einem Bergdorf in absoluten nirgendwo angekommen. Und während Villariba (andere Wanderer) schon im heimeligen Gästezimmer Tee trinken durfte, musste Villabajo - also Will und ich - bei strömendem Regen mit total durchnässten Kleidern auf einer unter Wasser stehenden Wiese das Zelt aufbauen. So schön kann sparen sein. Wir hatten weder Isomatte noch Schlafsack dabei. Als ob das nicht schon genug wäre, war das Zelt auch noch undicht. In dieser Nacht fühlte ich mich in die gute alte Zeit - Russland '44 - zurückversetzt. Selten so gefroren.

Monday, July 17, 2006

Puenting

Vor 3 Wochen kam der Knaller. Bungee-Jumping auf mexikanisch! Dafür sind wir in die Sierra Gorda gefahren, ca. 200km von Querétaro entfernt. Dort haben wir uns eiine 35m hohe Brücke ausgesucht - und sind runtergehüpt. Ich habe es gemacht, habe mehrere Zeugen, allerdings sind die "Beweisfotos" unter die Räder gekommen. Soviel kann ich sagen: Wenn man vor dem Abgrund steht, wirds einem wirklich anders. Man fragt sich, warum man überhaupt da oben steht und ob das wirklich sein muss. Naja, aber es muss halt mal sein! Schwächeln geht ja bekanntlich nicht. Man sollte eigentlich einen beherzten Satz von der Brücke weg machen, daran war bei mir aber nicht wirklich zu denken. Naja, macht nichts, denn runter kommen sie ja alle :)
Nach dem Sprung macht sich ein unglaubliches Glücksgefühl in einem breit, weil man sich getraut hat. Genial. Aber trotzdem bin ich nicht der Typ, der diesen "Kick" in irgendeiner Form stimulierend findet. Man hats mal gemacht, aber ich persönlich brauche das kein 2. Mal.
Wie hat der Sprung funktioniert? Das ganze wurde mit normalen Kletterseilen gemacht, die sozusagen unter der Brücke durchgeführt wurden und auf der anderen Seite der Brücke festgebunden wurden. Dann ist man praktisch zuerst gefallen, wurde dann von dem Seil aufgefangen und ist dann ausgependelt. Schwer vorstellbar, ist aber so :)


Will (Austauschschüler aus den USA) beim Sprung von der Brücke.

Reise gen Süden

Endlich geht es mal wieder weiter! Der längst überfällige Bericht meiner 4-wöchingen Reise in den Süden Mexikos kommt jetzt endlich auch mal ins Internet. Ich habe die extreme Mexikos kennengelernt. Vom Regenwald bis zum Karibikstrand. Insgesamt habe ich folgende Städte Orte besucht: San Cristobal de las Casas, Palenque, Selva Lacandona (Regenwald), Merida, Cancun, Playa del Carmen, Tulum, Tuxtla und Puebla. Mit am Abstand beeindruckendsten war der Regenwald, dort haben wir mit einem 'Indianer' eine 3-tägige Tour durch den Regenwald gemacht. Auf dem 2. Platz kam Tulum, ein Karibiktraum aus dem Bilderbuch, der schönste Ort der Welt den ich bislang kennengelernt habe. Leider hat meine Kamera bei dieser Luftfeuchtigkeit den Betrieb eingestellt, weshalb ich nur wenige Bilder habe.

Indianer im Urwald (Selva Lacandona) in Chiapas

Der Austauschmexikaner im Urwald nach Verzehr von einigen "magischen" Pilzen die hier wachsen. Nee, nur Spaß ;o)

Tulum, ca. 50km von Cancún entfernt. Meiner Meinung nach der schönste Ort der Welt. Blick von der "Hotelanlage" auf das türkisblaue Meer.

Tuesday, June 06, 2006

Gesellschaft

Wie ist eigentlich der Mexikaner?

Diese Frage habt ihr euch zuhause bestimmt schon mal gestellt. Wie steht es denn mit den gaengigen Stereotypen? Ich bin jetzt 5 Monate hier, und denke ein recht scharfes Bild davon bekommen zu haben, wie die Leute hier ticken. Dass natuerlich nicht jeder Mexikaner diesem Bild entspricht, sollte auch klar sein. Dennoch gibt es wohl unbestreitbare Tendenzen.


  • Zeit: Banken und groessere Geschaefte haben feste Oeffnungszeiten, die auch eingehalten werden. Privat sieht die Sache anders aus: Am liebsten werden die Woerter "ahorita" ("jetzele") und bedeutet nach unserem Zeitmass etwas zwischen 5 min. und 5 Stunden. "Al ratito" (in einem Momentchen) wird benutzt wenn man ausdruecken will dass etwas in wenigen Stunden - oder auch nie - beginnt. Aber alles in allem finde ich die Art, wie die Mexikaner mit der Zeit umgehen, sehr entspannend.
  • Sport: Wer glaubt, hier nix von der mundial, der Weltmeisterschaft mitzukriegen, irrt. Ueberall, wirklich ueberall sind diese 3 debil grinsenden WM-Smileys zu sehen. Seit ein paar Tagen wird im Fernsehen live und mehrere Stunden lang ueber die mundial berichtet. Supermaerkte sind schwarz-rot-gold geschmueckt. Jeder Taxifahrer fragt mich, warum ich in Mexiko bin, wenn doch in Deutschland die Weltmeisterschaft ist. Dann antworte ich dass ich nicht mal jemanden kenne, der Karten fuer die WM hat. Ich glaube auf der Erde gibt es kein anderes Volk welches so fussballbegeistert UND so unerfolgreich ist wie Mexiko.
  • Mexikaner sind wirklich ein geselliges Volk. Rueckgrat dieser Geselligkeit ist, zu jedem freundlich zu sein. Wenn einem gut erzogenen Mexikaner etwas nicht passt, so wird er das meistens durch die Blume ausdruecken. Das Bestreben, zu jedem freundlich zu sein, geht teilweise soweit dass man es schon durchaus Luege nennen kann. Kundige Reisefuehrer raten deshalb ihren Touristen, immer mehrmals nach dem Weg zu fragen, weil Mexikaner ungern "ich weiss es nicht" antworten. Dann ist man lieber freudlich und schickt den Touri in die Walachei.
  • Frauen: Kommen wir wohl zu dem interessantesten Teil. Oft kriege ich mit, dass Mexikanerinnen krankhaft eifersuechtig sind. So machen sie ihren Freund schon zur Minna, wenn der sich nur mit einer anderen Frau unterhaelt. Deswegen gehen auch viele Beziehungen zwischen auslaendischen Maennern und Mexikanerinnen in die Brueche. Warum viele Mexis so abdrehen, habe ich auch herausfinden koennen, doch dazu spaeter mehr. Mexikanerinnen sind meiner Meinung nach konservativer als in Europa, waehrend sich in unseren Laendern nur ein recht geringer Teil der Frauen als Jungfrau in die Ehe "retten" kann, ist dies hier verbreiteter. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, soll jeder fuer sich selbst entscheiden. Die Frauen werden nicht so selbstbewusst erzogen wie in Europa, sie ordnen sich meiner Meinung nach dem Mann eher unter.
  • Maenner: Ein echter Mexikaner, der etwas auf sich haelt, fuehrt seine Frau zum Essen aus. Er oeffnet die Tuer, bezahlt die Rechnung, immer im Bestreben, sie wie eine Koenigin zu behanden - und betruegt sie nebenbei mit einer oder zwei anderen. Und geht Sonntags in die Kirche. Auch wenn das natuerlich nur auf meiner subjektiven Wahrnehmung beruht, aber ich bin mir sicher dass in Mexiko viel mehr fremdgegangen wird als in Deutschland. Woher kommt das? Ich bin der Meinung, dass die Fremdgeherei hier gesellschaftlich gestuetzt wird. Viele schoene, junge Frauen zu haben gilt hier als Zeichen der Staerke und Potenz. Wenn Arzt P. seinen Kumpels also von seiner "Neuen" erzaehlt, blicken sie zu ihm auf. Wo ist da der Unterschied zu uns? Ich glaube, wir fassen es eher als moralische Schwaeche auf, wenn jemand neben seiner Freundin noch eine andere hat. Normalerweise bin ich mehr angewidert als beeindruckt wenn mir einer erzaehlt, dass er fremdgegangen ist. Aber das ist noch subjektiver als alles, was ich zuvor geschrieben habe. Eure Kommentare will ich hoeren!
  • Familie: Waehrend oben viel "Baeh" kam, will ich eines der positivsten Sachen der mexikanischen Kultur herausheben. Die Familie lebt! Jeder kennt es bei uns: Familienzusammenkunft. Einmal im Jahr. "Hi, wie gehts" - "Gut. Und selbst?" -"Gut..." - "..." Schnell das Essen servieren um die Stille zu toeten. Hier ist das anders. Es wird zusammen gefeiert, es wird zusammen gelacht. Und zwischen den einzelnen Generationen herrscht echter Dialog. Wenn die Oma krank ist, wird sie von den Kindern gepflegt. Sie ist keine Last, sie gehoert dazu. Eine mexikanische Omi muss keine Angst haben, alleine alt zu werden - es sei denn alle ihre Kinder werden ueberfahren oder beim illegalen Grenzuebertritt in die USA erschossen ;)

90 Minuten Arbeit - ich will jetzt eure Kommentare!

Wednesday, May 17, 2006

Nachruf

Ein guter Freund der Familie, Klaus Froehlich, ist am Samstag um 22 Uhr nach schwerer Krankheit gestorben. Waehrend ich ihm am Beginn unserer Bekanntschaft mit Skepsis gegenueberstand, entwickelte sich doch mit der Zeit eine gute Freundschaft. Ich habe es immer geliebt, seinen Geschichten zuzuhoeren und mit ihm ueber alle moeglichen Dinge zu reden. Oft habe ich ihn auch um Rat gefragt, denn seine Antworten waren immer mit Bedacht gewaehlt und man merkte ihm an, dass er viel erlebt hatte und deswegen immer wusste von was er sprach.

Als ich Deutschland verliess, war eigentlich schon ziemlich klar, dass es kein Wiedersehen geben wuerde. Auch waehrend seiner schweren Krankheit hat er immer meinen Blog gelesen, und er hat sich immer ueber neue Geschichten gefreut. Ich hoffe, das hat ihm auch ein bischen Hoffnung gegeben.

Deswegen ist dieser Eintrag auch dir ,Klaus, gewidmet. Danke fuer deine Freundschaft.Moege es dir dort, wo du jetzt bist, gut gehen.

Stefan

Tuesday, May 09, 2006

Ich habe fertig!

Na also! Das erste Semester ist vorbei, die Abschlussklauren geschrieben, Zeit, um euch mal meinen Wasserkocher vorzustellen. Ich habe daraus ein PDF gemacht und online gestellt. Ich hoffe, euch gefällts. Wasserkocher.pdf

Aus dem Roboterprojekt ist leider außer ambitionierten Ideen wegen Zeitmangel nix weiter geworden. Dafür existiert schon eine komplette Simulation des Roboters im Computer (Matlab/Simulink). Und diese Simulation hat ganz klar ergeben, dass wir mit Abstand die Schnellsten wären ;o) Mit diesen Ergebnissen im Hinterkopf fühlen wir uns als moralische Sieger und fahren entspannt in die Ferien.

Tuesday, May 02, 2006

Ferien! Wer kommt vorbei?

Jetzt sind erst einmal 3 Monate frei. Mein Angebot steht immer noch: Das Haus hier in Querétaro ist für jeden offen, der vorbeikommen will! Was kostet das? Nicht die Welt. Ich habe mal exemplarisch einen Flug herausgesucht: Mit dem Kranich ( www.lufthansa.com ) von FRA direkt nach Mexiko und wieder zurück kostet 885€. (Abflugtag: 29. Mai Rückreise: 29. Juni). Ich bin sicher dass man mit ein wenig Suchen bestimmt an noch etwas günstigeres drankommt. Was gäbe es dann hier zu sehen? Man könnte im Bus Mexiko bereisen (besonders den Süden: Chiapas, Cancun (Traumstrände!))

Also Leute, adelante!

Vida peligrosa

Mexiko. Gefährliches Land. Raubüberfälle, Express-Entführungen, Autounfälle, ja ja, da hat man sich ja längst dran gewöhnt. Dass aber auch Gefahr aus völlig unbekannter Ecke kommen kann, zeigt folgendes Foto:


Wo kann man so ein Tier finden? In Baja California. Oder - wenn man nicht so weit fahren will - bei mir unterm Esstisch. Ja, ohne Witz! Als das Viech zum ersten mal an mir vorbeigeflitzt ist, habe ich an eine Kakerlake gedacht. Aber seit wann hat eine Kakerlake einen Schwanz?
Naja, über die Giftigkeit scheiden sich die Geister. Die einen meinen, dass man nach einem Stich ein wenig Schmerz empfindet, während die pessimistischeren meinen dass man sich den Weg ins Krankenhaus sparen kann, weil man nach einem Viertelstündchen eh schon tot ist.

Tuesday, April 18, 2006

Osterreise: Geisterstadt

Samstag: Cuatro Ciénegas/Real de Catorce/Querétaro

Reisekilometer: 80+ 638 + 280 = 998 km

Heute haben wir eine „ausgestorbene“ Minenstadt, Real de Catorce, besucht. Ausgestorben steht in Gänsefüßchen weil die Stadt voll war von Händlern, die ihren Ramsch (inklusive tonnenweise Jesus- und Maria-Kitsch) feilgeboten haben. Das Highlight heute war die Pferde- und Eseltour in die Berge. Ich auf dem Esel, zwei Girls auf den Pferden. „Wie steuert man denn so ein Vieh, Mädels?“ – „Ooch, das ist ganz einfach, der reitet uns hinterher..“ – Denkste. Nachdem der Esel den ganzen Hinweg recht tadellos funktioniert hatte, entschloss er sich auf dem Rückweg zu einer Alternativroute in die Berge. Weil sein Reiter leider keine Ahnung hatte, wie man dieses Tier zum Umdrehen oder Anhalten bewegen könnte, schnellte sein Adrenalinspiegel im Bewußtsein völliger Macht- und Ahnungslosigkeit in astronomische Höhen. Zum Glück hat unser Führer (der eigentlich `ne Bratzbirne war) uns beide verirrten Schäfchen wieder eingefangen und auf den rechten Weg zurückgebracht.



Zu guter Letzt:

Insgesamt sind wir eine Strecke von mehr als 3600 km gereist und haben ein großes Stück des Nordens gesehen. Danke auch an die Ar(s)chitektinnen, die die Reise so toll geplant haben!
Und zum Schluss geht auch ein Dank an meine Eltern, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre!

Osterreise: Natur pur

Freitag: Chihuahua/Cuatro Ciénegas

Reisestrecke: 455 + 245 = 700 km

Heute gabs was für die Augen. Die blaue Lagune (Poza Azul) ist ein Knaller, die Dünen auch. Außerdem konnte man wieder viel über mexikanische Gastfreundschaft lernen. Weil uns ein fahrbarer Untersatz fehlte, wurden wir von hilfsbereiten Mexikanern auf der Ladefläche ihres Pick-Ups mitgenommen. Die Polizei sagt da nichts. Ab ca. 100km/h wirds dann echt wirklich windig, also gut die Mütze festhalten :)



Osterreise: Chihuahua

Donnerstag: Cuauhtémoc/Chihuahua

Reisestrecke: 133 km

In Chihuahua gibt es nicht viel zu sehen. Das interessanteste ist eine Gedenktafel der Opfer der gefährlichsten Stadt Mexikos, Ciudad Juarez, eine Grenzstadt zwischen den USA und Mexiko. Berühmt-berüchtigt wurde sie durch den Drogenhandel und durch die nicht vorhandene Staatsautorität; außerdem durch eine Frauen-Mordserie, die seit mehr als 13 Jahren anhält. Insgesamt wurden seitdem 100 Frauen in dieser Periode ermordet, knapp 400 werden noch vermisst. Mexiko ist halt eben nicht Deutschland.

Osterreise: Die Menoniten

Mittwoch: Creel/Cuauhtémoc

Reisestrecke: 153 km

Es gibt mexikanische Staatsbürger, die nicht so recht in das Bild des typischen Sombrero-tragenden, Lasso-schwingenden Cowboys passen wollen. Diese findet man zum Beispiel in Cuauhtémoc. Hier leben seit 80 Jahren Menoniten, ein Wandervölkchen, die ihre Ursprünge in Deutschland, Holland und der Schweiz haben. Diese wanderten von Europa nach Russland, später nach Kanada und schließlich nach Mexiko. Hier arbeiten sie außerhalb der Stadt als Bauern und Landmaschinenhändler mit riesigen Plantagen und Ländereien. Bei den Mexis sind sie vor allem für ihren Käse berühmt. Im Allgemeinen schotten sie sich sehr von den Mexikanern ab und pflegen ihre eigene Kultur. Sie sprechen untereinander niederdeutsch, können uns aber ohne Probleme verstehen und – wenn sie wollen – können sie auch hochdeutsch reden.

Osterreise: Creel

Montag: Creel

Nach zähen Verhandlungen konnte ich gestern ein halbes Stündchen mehr Schlaf rausholen. Endlich mal ausschlafen! Nach dem Frühstück haben sich 4 Mädels ein Pferd gemietet, wir uns Mountainbikes. „Ääh – des Fahrrad will ich! Des hat ne Rock-Shox-Federgabel und V-Brakes“ – „Och Christine! (n.v.d.R.g.) Du wirst an deinem Rad mit Rock-Shox-Federgabel nicht viel Freude haben weil die Bremsen nicht funktionieren. Wieso überlässt du die Einschätzung der Drahtesel nicht jemandem, der sich damit auskennt?“ Mit den Rädern sind wir dann durch ein Indianerreservat gefahren. Die Indianer müssen minderwertigen Plunder verkaufen, um ein paar Pesos zu verdienen. Wollen zwar eigenständig sein, aber hier oben hoch in den Bergen ist das fast unmöglich. Auf dem Weg zu einem Denkmal in dem Reservat wurde der Feldweg durch ein Nylonseil abgesperrt. Eine Indianeromi erklärte uns, dass wir für die Zahlung von 5 Pesos pro Nase passieren dürfen?! Spätestens da hat sich meine Meinung über die armen Indianer geändert. Die bettelnden Indios lehnen Lebensmittel ab, nur Pesos sind immer gerne gesehen. Zum Bitten nach Geld ist man sich nicht zu stolz, zum ‚Danke’ sagen aber schon.




Dienstag:

Heute haben wir in Creel heiße Quellen besucht. Durch einen langen, anstrengenden Abstieg in eine Bergschlucht erwarteten wir unberührte Natur. Wir fanden auch unberührte Natur vor – oder zumindest das was Mexikaner darunter verstehen: Die heißen Quellen die aus dem Berg fließen wurden durch PVC-Rohr in freibadähnlich ausgebaute Becken geleitet – mitten in der Natur.

Osterreise: Mit dem Zug in die Canyons

Sonntag: Los Mochis/Creel

Reisestrecke: 357km

Piep-piep-piep! –Diese Geräusche hat mein Wecker schon um halb 6 morgens gemacht. Pinche despertador! Heute stand aber viel auf dem Programm. Wir mussten möglichst früh zum Bahnhof, der außerhalb der Stadt lag. An einer Ecke in der Innenstadt warteten wir dann auf den Bus, der angeblich dort abfahren sollte. Der Bus kam nicht, dafür ein viele Mexikaner besten Alters. 6 blonde Touristinnen ziehen hier die Kerle an wie Licht die Motten. 20 Minuten später war immer noch kein Bus da. Taxis wurden uns schon zu unverschämten Preisen angeboten, auf die man sich aber als „Mexiko-Kenner“ nicht mehr einlassen würde. Ich wurde abkommandiert um irgendwie eine Möglichkeit zu finden, zum Bahnhof zu kommen. In der Nähe entdeckte ich einen Linienbus, und fragte den Busfahrer wo man denn den Bus zum Busbahnhof findet. „Ich kann euch fahren, kein Problem“ – „Hä?“ – „Naja, ist zwar eigentlich nicht meine Strecke, aber für 5 Pesos fahre ich euch hin!“. Man lerne: Für rund 2,50€ kann man in Mexiko auch einen Bus chartern! Im Zug fuhren wir von der Küste bis nach Creel in den Bergen. Die Aussicht ist atemberaubend; die Canyons größer als der Grand Canyon der USA. Abends kamen wir dann in Creel an, ein kleines verschlafenes Dörfchen in den Bergen. Dieser Ort erinnert einen so gar nicht an Mexiko! Eher an Kanada. Der Baustil ist anders, das Klima, die Vegetation.



Osterreise: Abfahrt



Freitag/Samstag: Querétaro/Mazatlán

Reisestrecke: 852 + 452 = 1304 km

In der Semana Santa (Osterwoche) habe ich eine Reise in den Norden Mexikos gemacht. Ich habe mich also mit den deutschen Architekturmädels am Busbahnhof von Querétaro getroffen. Die erste Überraschung kam dort: Wir sind 7 Leute. 6 Architektinnen und ICH. Och nee! Um 9 Uhr abends ging unser Bus nach Mazatlan. Man kriegt hier sehr schnell Hornhaut am Hinterteil bei der vielen Fahrerei. Ankunft in Mazatlan um 9 Uhr morgens. Wenigstens war der Bus superkomfortabel. Nur halb so dicht bestuhlt wie in Europa, kann man sich beinahe in Liegeposition begeben, was die Fahrt halbwegs erträglich macht – wenn man denn schlafen kann. Leider ist die mexikanische Definition von Komfort den Bus bis in die Minusgerade mit der Klimaanlage runterzukühlen. Vielleicht denken die Verantwortlichen ja dass man in Winterstarre die Zeit im Bus besser rumkriegt. Die 4 Stunden in Mazatlan haben wir genutzt, um sich am Strand einen richtig schönen Sonnenbrand zu holen. Danach ging es weiter nach Los Mochis. Dort wurden wir so gegen halb 11 abends vom Bus abgesetzt. In Los Mochis haben wir dann erst einmal ein Hotel gesucht. Es wäre gelogen zu behaupten dass ich bei der Suche nach einer geeigneten Herberge nachts mit 6 Frauen und allerlei komischen Gestalten auf der Straße mir keine Sorgen gemacht hätte. Die meisten Hotels haben 4er-Zimmer, meistens bezahlt man dann zwischen 5 und 10€ pro Übernachtung, wenn man keine Ansprüche stellt.

Tuesday, April 04, 2006

Amibas, Amibas...

Viele Ausländer hier haben ungebetenen Besuch:

Amöben & Parasiten! Nicht nur, dass sie sich einfach so im Magen ihrer Wirte niederlassen, nein, die Spezies amiba mexicana bringt auch - wie bei Mexikanern und mexikanischen Parties üblich - gleich uneingeladen hunderte Freunde mit! Die Folge: Durchfall, Kotzen, extreme Übelkeit. Abhilfe: Nur durch Medikamente und Alkoholabstinenz(!) möglich. Ich denke mindestens 70% aller ausländischen Studenten hatten sie schon gehabt. Wie kommen die?
Zum Beispiel durch verseuchte Lebensmittel. Es wird immer abgeraten, 'in der Straße' zu essen. Auf der anderen Seite geht einem dann echt ein großes Stück mexikanischer Lebensfreude verloren, wenn man es nicht macht. Und - auch die Leute, die besonders vorsichtig waren, haben sie schon bekommen.

Oben: Aufnahme eines Parasiten mit dem Elektronenmikroskop

Friday, March 31, 2006

Der Roboterwettbewerb

Endlich habe ich mal wieder eine interessante Aufgabe für mich gefunden. Nachdem mich die Studenten, mit denen ich mein Wasserkocher-Projekt habe, maßlos enttäuscht haben, weil sie mal GAR NICHTS gemacht haben, werde ich jetzt mit einem intelligenten, arbeitswilligen Mexikaner an einem Roboterwettbewerb teilnehmen. Bislang war ich echt der Ansicht, daß dieser Typ Mensch hier nicht existiert, aber zum Glück habe ich mich getäuscht.
Unser Roboter soll auf einem schwarzen "Spielfeld" einer weißen, 1,5cm breiten linie folgen. Das ganze geht auf Zeit. Ich habe das Video vom Wettbewerb des letzten Jahres gesehen, die Gefährte die dort präsentiert wurden sahen etwas eigentümlich, wenn nicht sogar klobig und stark unprofessionell aus; aber - ei der Daus! Die Teile haben im Video mal richtig Gas gegeben, das ging echt richtig zur Sache - wird nicht ganz leicht denen zu zeigen wo der Hammer hängt, aber irgendwie werden wir das schon schaffen...

Friday, March 17, 2006

Crashin' a party

Mein Mitbewohner Javier hatte am vergangen Samstag geburtstag gehabt. Abends ist er dann in seine Heimatstadt Celaya gefahren um mit seinen Kumpels zu feiern. Dort wurde dann wohl in verschiedenen Discos dick auf den Putz gehauen - mit entsprechend viel Alkohol in der Blutbahn. Nachts um 4 ruft seine Freundin an... "ÄÄh, Javier, ich vermisse dich...., magst du mich nicht mal in Qro. besuchen kommen". Das Problem war dass jetzt wohl neben dem Alkohol auch noch ausreichend Hormone in der Blutbahn waren, was ihm dann noch das letzte Fünkchen Verstand geraubt hat. Also ab ins Auto und die 30 Minuten zurück nach Queretaro. Aber dann kurz vorm Ziel hats ihn zerlegt. Auf der Avenida 5 de Febrero ist er von der Fahrbahn abgekommen, in den Graben gerutscht und mehrmals überschlagen. Gottseidank war er angeschnallt, buena suerte. Naja, nachdem er zum Glück unverletzt aus seinem Schrotthaufen gekrochen kam, war auch schon gleich die Rennleitung am Start. Für 7000 Pesos Direktzahlung hätten sie die Angelegenheit "vergessen". Während sich die Polizisten noch das geschrottete Auto anschauen, halten ein paar Jungs an, laden unseren Pechvogel ein und brausen davon. In Deutschland würde man das wohl als Unfallflucht bezeichnen, hier ist das wohl ganz normal.
Ein paar Tage später: Als mein Mitbewohner sich das Auto anschaut, trifft ihn fast der Schlag. Nicht nur dass sein Auto ein wenig mehr lädiert wäre als gedacht, auch haben ihm diese Ladrones vom Abschleppdienst noch die Hälfte seiner Klamotten und seiner Wertsachen, die sich im Auto befunden haben, abgenommen... :(

Tuesday, March 07, 2006

Parciales














Wir haben die ersten beiden Parciales in "Mecánica de Fluidos" geschrieben, und ich habe Darmstadt gut vertreten. Wer sich die Tests mal anschauen will, ich habe die Aufgabenstellungen mal eingescannt....

Monday, February 20, 2006

Blindheit II

In unserem Kurs "Methodologias de Diseno" haben wir die Aufgabe einen umweltfreundlichen Wasserkocher zu bauen. Hier die Eckdaten:
  • Der Wasserkocher soll Wasserstoff verbrennen
  • Der Wasserkocher muss 1L Wasser von Raum- auf Siedetemperatur erhitzen
  • Dieser Wasserstoff soll selbst hergestellt werden - ohne externe Energie (Strom...)
  • Die Herstellzeit für den Wasserstoff darf max. 24h betragen
  • Das Gerät muss völlig emissionsfrei funktionieren
  • Die Kosten dürfen 800 Pesos (~70€) nicht überschreiten
Wer schon einmal Chemie in der Schule hatte, weiß dass Wasserstoff ein ziemlich fieses Gas ist. Und - nach meinen Berechnungen brauchen wir davon ca. 60L - man baut sich also schon ein hübsches Bömbchen zusammen.
Wir arbeiten in einem 4er-Team an diesem Projekt. Okay, wir diskutieren also woher man die Energie (Strom) nehmen könnte. Eine Idee war ein Generator mit einer Handkurbel, wobei ich aber den Einwand erhob, dass man sich ja nen Wolf kurbeln müsse, um genügend Energie erzeugen zu können.
Mein Teammitglied hatte folgene Lösung des Problems:

Also, wie soll das ganze funktionieren? Man hat einen Motor und einen Generator. Um unsere Maschine zu starten, muss ich einfach nur kurz an der Kurbel drehen. Was passiert? Klar, die Welle dreht sich, der Generator macht Strom, und mit dem Strom läuft wiederrum der Motor. Der Motor treibt dadurch wieder den Generator an - toll nicht? Und weil das ganze so toll läuft, kann ich an den Kabeln sogar noch Strom für unsere Elektrolyse abgreifen, während die Maschine ständig neuen Strom produziert.
Der Knaller: Der Student, der diesen Vorschlag geäußert hat, studiert im 8. Semester Mechatronik! Dies ist sein letztes Jahr! Die ganzen nicht-Techniker dürfen mal raten, was an dieser Maschine nicht funktionieren kann....

15. Februar / 49. Tag

Primeros Parciales

... heißen hier die ersten Zwischenprüfungen oder besser - Klassenarbeiten. Einige Leser meines Blogs sind der Meinung, ich sollte auch mal was über mein Studium ins Blog schreiben, also möchte ich mal hiermit beginnen. Im Spanischkurs habe ich 80% erreicht, was sich nicht schlecht anhört. Aber - mit weniger als 70% ist man durchgefallen. Auch hier kann ich mich halt einfach nicht motivieren, spanische Grammatik zu lernen.
In den Ingenieurskursen - Mecánica de Fluidos - welcher ein kompletter Kurs in Spanisch ist - habe ich 100% erreicht, in dem Kurs Methodologias de Diseno (englisch) auch 100%. Wenn Interesse besteht, scanne ich mal den Text von der spanischen Mecánica de Fluidos - Parcial ein. (Betrifft die Darmstadtfraktion - Thermo I - Kenntnisse genügen!)
Aber man muss auch dazu sagen dass die Kurse hier ziemlich blind sind. Bei jeder Formel, die an die Tafel geschrieben wird, kommen immer einen Haufen Rückfragen, welche Einheiten man verwenden solle, dann tippen alle die Zahlenwerte in den Taschenrechner ein und schreien das Ergebnis durch den Klassenraum. Wenn man bedenkt, dass ein mexikanischer Ingenieursstudent bei jeder Zahl, die er in seinen Taschenrechner eintippt, eine Irrtumswahrscheinlichkeit von schätzungsweise 50% hat, schwirrt bei einer Formel mit 3 Variablen dann schon allerhand verbaler Dünnpfiff durch die Luft.

Mein Geburtstag

... fing schon mal blöd an, weil ich mir eine dicke Erkältung eingefangen habe. Kommt wohl davon, dass in meinem Zimmer keine Heizung ist und es nachts immer ziemlich auskühlt.
Trotzdem wurde gefeiert, und unsere Wohnung war recht gut gefüllt. Auf der Party waren ziemlich viele Deutsche, zum Teil waren das die Achitektinnen aus Darmstadt und ein paar andere, die an der FH Worms studieren und hier in Querétaro einen Sprachkurs machen.
Hier mal ein paar Bilder:

Während der Party, am Anfang. Ich zeige hier nur die harmloseren Bilder, weil mir sonst meine Sponsoren die Verträge kündigen ;)

...von einem Mädel habe ich eine Pinata geschenkt bekommen: Eine Pappfigur, die randvoll mit Süßigkeiten gefüllt ist. Die muss man dann mit verbundenen Augen kaputtschlagen, was einem Anfänger wirklich schlecht gelingt (siehe Bild!). Sobald die Figur dann den Löffel abgegeben hat- schnell schnell die Süßigkeiten aufheben!


Ende mit Schrecken: Während ich noch zu diesem Zeitpunkt Fotos machen konnte, ging der Abend für diese Gäste nicht so glücklich aus...

Tuesday, February 14, 2006

10. Februar / 44. Tag

Corrida de toros

Fleisch ist morgen billig, weil heute gleich mal 3000 Kilo vor schätzungsweise 10000 Zuschauern frisch zubereitet wurde. Von was rede ich? Richtig – Stierkampf. Diese Stierkämpfe gibt es hier (glücklicherweise) nicht mehr oft, und ich hatte die Möglichkeit, günstig an Karten zu kommen, um mir davon wenigstens mal selbst ein Bild zu machen. Und ich muss sagen: Ich dachte, es würde mich mehr schocken. Was ich nicht wusste: Hier wird nicht nur ein Stier mit Applaus ins Jenseits befördert, sondern pro Abend waren es gleich 6. Aber trotzdem kann ich dem Spektakel nicht viel abgewinnen, vielleicht weil man als Stierkämpfer zwar schon Mut braucht, die Chancen aber nicht unbedingt gerecht verteilt waren. Nicht umsonst waren die Gäste ja mit 0:6 unterlegen. Irgendwie habe ich mich immer wieder bei dem Gedanken erwischt, dass es doch auch mal einen Torero erwischen sollte.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Gefallen hat es mir nicht; aber ich war auch nicht entsetzt, dafür war das ganze immer noch zu weit weg, um mich wirklich zu schocken. Aber man muss damit aufgewachsen sein, um wirklich Freude dabei zu empfinden, ein Tier vorsätzlich zu quälen und zu töten.


...der finale Akt. Torero mit seinem Säbel, kurz vor dem finalen Stich...

....der Abtransport des toten Bullen.

Monday, February 06, 2006

5. Februar / 39. Tag

Ausflug nach Guanajato

Heute bin ich mit ein paar (Un-)bekannten nach Guanajato gefahren, ein kleines Städtchen ca. 100km von Querétaro entfernt. Die Stadt wurde reich durch den Bergbau; und das besondere an diesere Stadt ist dass ein Großteil des Straßenverkehres durch antike Tunnel unterhalb der Stadt abläuft, während an der Oberfläche eine große Fußgängerzone ist. Mit von der Partie war ein Exil-Deutscher, der seit 2 Jahren in Mexiko-Stadt wohnt...

...dort habe ich mir gleich ein Diabolo für schlappe 5€ gekauft... das hat mal wieder richtig Spaß gemacht :)



2 Studentinnen ausm TEC

Der Deutsche (Bauingenieur) und seine Freundin

Der kleine Unterschied (2)

Oh man! Der Mexikaner ist so krass drauf! Folgendes Foto habe ich unter Einsatz meines Lebens von einem Linienbus in Querétaro gemacht. Frage: Wie lange könnte ein Bus mit diesem "Logo" in Deutschland rumfahren?


Eigentlich sagt das Bild schon alles, deswegen erspare ich mir weitere Ausführungen. Nur soviel: Falls der Text unleserlich sein sollte: "4. Reich" steht da geschrieben...

Saturday, February 04, 2006

Gestatten: Meine Bude

Hier mal ein paar Bilder von unserer Bude. Ich fühle mich echt pudelwohl. Man beachte die beiden Damen auf dem Bild, auf die bin ich besonders stolz....


von oben links nach unten rechts:
Katja, Vanessa
Javier, (...), Jano (in Wirklichkeit Alejandro)


Unser Wohnzimmer. Links hinten in der Ecke (nicht zu sehen) ist der Eingang




Esstisch mit Balkon. Das Schild mit dem 'E' steht für 'Estacionamiento' und bedeutet soviel wie Parkplatz. Na wo das wohl her ist..? ;) Hinter der Tür verbirgt sich unsere Terasse.


Unsere Küche. Mal aufgeräumt :)



Meine Bude. Bis jetzt ist das Bett noch minimalistisch auf dem Boden, mal sehen ob ich mir noch ein Bettgestell leisten kann ;)









Der kleine Unterschied (1)

G wie Gel


Diese Dose Fructis Haargel könnte man in Deutschland wohl mit Gold aufwiegen, hier kostet die 400g - Dose gerade mal 2,20€! Natürlich mit dem original Fructis-Geruch. Alleine deswegen muss man dieses Land lieben :)
Vorbestellungen bitte an meine E-Mail-Addy...

Monday, January 30, 2006

28. Januar / 31. Tag

Umzug & Resümee

Heute stand der Umzug auf dem Programm. Matratze hatte ich mir schon vor ein paar Tagen gekauft und in die Wohnung geschafft; Modell "Madrimonio" - Doppelbett. Natürlich. Dazu noch hässliche Bettwäsche - denn Geiz ist ja bekanntlich geil.
Es gab auch gleich ne kleine Einweihungsparty - Motto: "Hasta los huevos - Bis zu den Eiern" Was blumig ausgedrückt nichts anderes bedeutet wie: Bis man nicht mehr kann. Ich habe das Motto glücklicherweise nicht ganz so ernst genommen...

Heute auf den Tag genau 1 Monat in Mexiko! Zeit für ein kleines Resümee.
Fangen wir mit den schlechten Dingen an:

  • Der Unterschied zwischen arm und reich. Diese Uni hier hat dermaßen viel Geld, das ist schon kein Spass mehr. Springbrunnen, Wlan überall, tolle Gebäude, Sporthallen, ALLES. Die Reichen leben hinter Mauern, es gibt große abgeschottete Wohnanlagen, die nur durch ein bewachtes Portal befahrbar sind. Innendrin Rasen (normalerweise ist hier Wüste!), Bäume, Sträucher; riesige Parkanlagen.
  • Es gibt nicht genügend Wasser für alle, zumindest in Spitzenzeiten. Das System funktioniert so: Es gibt Wohngegenden, die haben eine Wasserpriorität. Das sind natürlich die "besseren" Viertel. Wenn dann noch was übrigbleibt, werden damit die ärmeren Viertel versorgt
  • Der Straßenverkehr. Die Leute fahren asozial, kein TÜV, kein nichts. Vor einer Woche ist im Stadtgebiet ein Gas-Tanklaster in die Luft geflogen, weil er wegen defekter Bremsen in einen anderen Laster geknallt ist. Die Straße überqueren bleibt ein Abenteuer.
nun zu den erfreulicheren Sachen:
  • Die Leute sind so freundlich. Meine "große Schwester" zum Beispiel: Nimmt mich überall hin mit, macht alles für mich. Ihr Papa hat mir beim Umzug geholfen und mich durch die ganze Stadt gefahren für ein Dankeschön. Manchmal macht mir das ein wenig Angst, denn ich kann nichts als Gegenleistung anbieten.
  • Die Leute sind kontaktfreudiger. Nach 5 Minuten in der Disse haste schon jemanden kennengelernt. Nach 5 Minuten Unterhaltung hast du die Handynummer. Und immer die Worte: "Wenn du ein Problem hast, ruf einfach an".
  • Der Art, wie die Menschen hier mit Ausländern umgehen. Ich kann nicht wirklich viel Spanisch sprechen, und wenn mich ein Ausländer in Deutschland vollstammelt, bin ich zwar oberflächlich freundlich, aber innerlich genervt. Hier wird man - auch wenn man die Sprache nicht beherrscht - mit Respekt behandelt.
  • Meine Gastfamilie, speziell meine Gastomi, die zwar öfter mal interveniert hatte, als es gerade mit Laura interessant wurde, aber auf der anderen Seite pro Mahlzeit vielleicht 20 mal vom Esstisch in die Küche gerannt ist, um mir noch eine Kleinigkeit zu holen.
  • Mein Stundenplan ;)
  • Meine neue, geile Butze mit eigener Putzfrau
  • Unseren Pool, den ich im Sommer ausgiebig nutzen werde.
  • Und - ganz wichtig: Das Wetter!! Jeden Tag T-Shirt und Sonnenbadtemperaturen. Wie sind die Temperaturen denn bei euch so? ;)

27. Januar / 30. Tag

Party!

Heute Abend war Party angesagt. Aber wie das der sparsame Deutsche so macht - vorgeglüht wird natürlich zuhause. Wir sind deshalb zu den Franzosen gedüst und haben mal dort was getrunken. Nach ein paar Drinks hatte ich ne ziemlich blöde Idee die was mit nem Feuerzeug, einer leeren Schachtel Zigaretten, ein wenig Blödheit, und ner Stichflamme zu tun hatte. Ich blieb zum Glück unverletzt, nur die Lippe hat ein wenig gebrannt... und rasieren musste ich mich auch nicht mehr ;)

Maria-Jose, Dimitri (aus Frankreich), ich


Okay, danach gings auf die Party von den Agrarwissenschaftlern. Die war in so nem Country-Club, der sah von außen aus wie ein Blockhaus. Kaum war ich 5 Minuten drin, hatte ich auch schon Gesellschaft an der Backe. Zugegeben - das fand ich nicht sonderlich schlimm:


Also ich fand die Tante schon recht heiß, allerdings ist das halt wie im Museum: Die schönsten Exponate darf man natürlich nur anschauen. Sobald man sie anlangt, geht sofort der Alarm los ;) Sie kam übrigens gleich mit der Tour, die wir besonders lieben: "Jezz TanzDochMa, TanzDochMa!!" Aber hier arbeitet man unter erschwerten Bedingungen, denn hier ist Paartanz angesagt. Schrecklich, ich konnte mir die Musik nicht mal mehr schön saufen, aber was tut man nicht alles...

Außerdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen, ein mexikanisches Scheißhaus zu fotografieren. Das ist Dienstleistung! Direkt am Waschbecken Kaugummis kaufen!


Schreibt mal eure Kommentare zu dem Mädel!

Wednesday, January 25, 2006

25. Januar / 28. Tag

Regen & asoziale Busfahrer

Deutsche Verhaeltnisse in Mexiko! Stellt euch vor, heute Nacht hat es doch tatsaechlich geregnet! Da hier Regen wirklich selten ist - das letzte mal hat es hier vor 4 Monaten geregnet - ist die ganze Stadt darauf auch denkbar schlecht vorbereitet. Hier gibt es keine Gullis, so dass das Wasser in grossen Pfuetzen auf der Gasse stehen bleibt.
Sehr zum Verhaengnis einiger armer Seelen, die genau vor einer solchen tiefen Pfuetze auf ihren Bus gewartet haben. Denn ein asozialer Busfahrer ist mit schaetzungsweise Lichtgeschwindigkeit durch diese tiefe Pfuetze geheizt und hat die Leute mal gut geduscht. Ich habe diesen Anschlag zum Glueck nur um Sekunden verfehlt, aber viele Leute waren echt am ganzen Koerper mit mexikanischer Dreckbruehe verziert. Ich erinnere mich noch gut an die eine Frau, mit einem feinen rosa Stoffhoeschen, rosa Schuhen und rosa Oberteil, die durch und durch gesprenkelt war: Kurzum - sie sah aus wie ein Schweinchen, die sich gerade im Dreck gewaelzt hat ;)

So, ich werde jetzt in Wohnung Nummer 3 einziehen. Jetzt muss ich mir erst einmal ein Bett suchen. Einer der Mitbewohner pennt auf einer Riesen-Luftmatratze, aber ich glaube 10 Monate lang moechte ich das nicht haben.

Monday, January 23, 2006

23. Januar / 26. Tag

Nachlieferung & Wohnungs-News

Ich habe es euch versprochen, und kann es sogar halten: Inzwischen habe ich mir eine Digitalkamera zugelegt, die zwar für den Preis eine ziemlich miese Qualität bietet, aber sie reicht aus, um euch zu zeigen, was hier so abgeht. Und, falls sie das selbe Schicksal erleiden sollte wie meine Jacke oder das Vorhängeschloss, so ist das ja dann nicht ganz so schlimm. Natürlich war das erste Objekt vor der Linse - na? - Richtig! Laura!

Heute ist noch was interessantes wegen meines Zimmers passiert. Heute war ich bei Wohnung Nummer 3 und habe bei den Jungs einen Zettel hinterlegt, dass ich die Bude gerne mieten würde; mit meiner Handynummer. Um kurz vor 10 ruft auch gleich jemand an (Im folgenden steht S für Stefan und A für Anrufer!)

A: "Hallo! Ich rufe wegen der Wohnung an."
S: "Ist sie noch zu haben?"

A: "Ja, sie ist noch frei!"
S: "Dann muss ich nur noch ein Bett kaufen..."
A: "Nein, alles ist fertig, wir haben ein Bett(!!!)"
S: "Abgefahren! Muss ich nicht mal mehr ein Bett kaufen *freu*!
Ja, ich nehme die Wohnung!!!"

A: "Du nimmst sie, wirklich?! Klasse!"

S: (Hä? Warum freut der sich? Hab doch schon auf dem Zettel geschrieben,
dass ich die Bude will?!)
"Also, wo treffen wir uns...?"
A: "In der Uni oder bei mir zuhause..."
S: "Ich komme zu euch! Welche
Hausnummer nochmal, 44"?
A: "Nee, 25..."
S: (verwirrt): "Nee, ich bin sicher du wohnst in der 44!"
A: "Nee, 25...!!"

S: "??? (10 Sekunden später)... Sssscccchhhhhheiiiii****"
A: "????"
S: "Nee, ich nehme die Wohnung doch nicht. Ich habe dich mit einem
anderen Anrufer
verwechselt, der mir auch eine Wohnung vermieten
will.
Deine Wohung will ich nicht, sorry."

A: "???? Äääääh okay...."
S: "Sorry, war ein Missverstädnis. Ich dachte du wärst ein anderer.."
A: "Okay, bye"

S: "Adios"


Warum muss ausgerechnet an dem Tag, an dem ich den Jungs einen Zettel hinlege, der andere Hansel von Wohnung 2 anrufen?!!

P.S.: 10 Minuten später (keine Übertreibung!) ruft der Typ von Wohnung 3 an.
Wir treffen uns am Mittwoch um 10 Uhr, um alles abzuklären.
Und: Ein Bett muss ich mir kaufen...


Bild oben: Laura
Bild unten: Marcela (Schwester von Laura), Marc (ihr franz. Freund), Laura



Sunday, January 22, 2006

21. Januar / 24. Tag

Ausflug nach Mexiko City

Heute klingelte der Wecker schon um halb 5: Wir mussten 3 Stunden fahren, um nach Mexiko City zu kommen, also ging es schon entsprechend früh los. Die Fahrt wurde von der TEC organisiert. Mexiko-DF oder auch liebevoll "defe" genannt, steht für Distrito Federal und bedeutet nichts anderes als Mexiko-Stadt. Dort sind wir in einem Gebiet gelandet, dass sich Xochimilco nennt, und so was wie das Venedig von Mexiko ist. Man kann hier auf Booten, die Trajineras genannt werden, durch das 150km verzweigte Kanalnetz gondeln. Gesteuert wird das ganze von einem Trajinero, der wie in Venedig mit einem Holzstab im Wasser 'rumstochert. Auf ein Boot passen ungefähr 30 Leute, in der Mitte ein Tisch; und ab und an legen mal ein Teppichverkäufer oder verschiedene Lebensmittelhändler an. Und dann gibt es noch Boote, die mit diesen typischen mexikanischen Volklorebands beladen sind. Die fackeln auch nicht lange und entern sofort unsere Trajineras, machen aber wirklich ziemlich gut Stimmung!



Anmerkung: Weil der Autor dieses hervorragenden Blogs immer noch keine Digitalkamera hat, weil ihm die alte bei seinem Urlaub in Alicante 'verloren wurde', und hier die Preise für alle Elektroartikel dermaßen hoch sind, sind alle Fotos die ihr hier seht von Leuten, die ne Digicam haben, erschnorrt. Der Freund von Lauras Schwester hat aber noch eine alte Digitalkamera über, 2 Megapixel, die er mir für 70€ abtreten will. Also gibts wohl in den nächsten Tagen dann mal 'echte' Bilder und nicht wie die ganze Zeit Fotos aus der Konserve.

Danach waren wir noch in einem Stadtteil mit einem Markt; der Blick zum Himmel ist schon besorgniserregend: Der Himmel sieht grau aus; er ist aber wolkenlos. Das, was man da sieht, ist SMOG.
Dann auf dem Markt eine Überraschung. Wir beobachten ein mexikanisches Mädel beim Einkaufen, nicht besonders hübsch, aber das tut gerade nichts zur Sache. Was sich über ihrem Dekoltée befindet, ist das Entscheidende: Eine Kette mit einem Hakenkreuz! Der gemeine Mexikaner ist sich wohl über die Bedeutung dieses Symbols nicht so recht bewußt, oder von der anderen Seite aus gesehen: Vielleicht sind die kleinkarierten Europäer einfach viel zu empfindlich. Naja, mit der Frage konfroniert ob sie sich der Bedeutung dieses Symbols bewußt ist kam ein knappes "Nö, es gefällt mir halt einfach..." Zum Schluss habe ich ihr noch empfohlen, bei ihrer nächsten Europareise das gute Stück doch bitte zuhause in ihrem mexikanischen Schmuckkästchen zu belassen, sonst finden An- und Abreise womöglich am selben Tag statt...

Zum Schluss waren wir noch im Museum von Frida Kahla gewesen, generell bin ich für Kultur natürlich immer zu haben
(gähn!), besonders nachdem ich schon 8 Stunden durch die Stadt gelatscht bin (schnarch!)

Friday, January 20, 2006

Und ihr...?

Tja, leider läuft die Kommunikation hier noch recht einseitig. Ich blogge und blogge und blogge, und an der "Heimatfront" bleibt es erstaunlich ruhig. Ich will eure Kommentare hören! Diese kann man hier im Anschluss an jeden Artikel anfügen. Ihr müsst euch dazu nicht mal anmelden!

Wie?

Einfach am Ende jedes Artikels auf "x COMMENTS" klicken, einen Text eintippen und als Identität "Sonstiges" eintragen.

Also, los gehts!

Thursday, January 19, 2006

18. Januar / 21. Tag

Inzwischen habe ich 3 Angebote für Wohnungen hier in Mexiko:
  1. Bei einem Taco-Stand in der Nähe von der Uni. Ich würde mit nem mexikanischen Studenten und nem Zementmischer ( => Arbeiter) zusammen wohnen; ich würde mir mit denen Bad und Küche teilen. Wohnung ist okay, eventuell müsste noch ein Tisch und ein paar Stühlchen rein. Zur Uni sinds ca. 5 Minuten. Kostenpunkt: 120€ / Monat
  2. In einer bewachten Wohnanlage, 5 Minuten von der Uni zu Fuß. Würde mit nem mexikanischen Studenten zusammenwohnen. Wohnung hat alles, 2 Bäder, ziemlich klein. Problem: Im Moment weiß ich keinen genauen Preis, wird aber so bei ~160€ liegen. Ich glaube so viel ist mit dem Studenten auch nicht los; mir wäre es lieber mit mehreren Personen zusammenzuwohnen. Partymäßig kann ich also hier nur 2 von 5 möglichen Sternen vergeben.
  3. Mit 2 anderen mexikanischen Studenten in einem neuen Haus in einer bewachten Wohnanlage. Geile Bude, die haben sogar einen Pool in der Wohnanlage. Gemessen an der Anzahl der leeren "Absolut"-Vodkaflaschen auf der Terasse hat man wohl hier die absolut(e) Partygarantie. Problem: Meine Bude ist zwar schön, hat aber kein Bett. Das müsste ich mir also zusätzlich noch zulegen. Preis für das Bett: 150€, Preis für die Bude: 160€ pro Monat.
Also, im Moment kann ich mir einfach noch keinen Reim drauf machen; ich tendiere aber zu 3, trotz des Bettes. Und ich muss mich schnell entscheiden....

Monday, January 16, 2006

16. Januar / 19. Tag

Ich werde in Zukunft wohl nicht mehr jeden Tag etwas posten. So langsam werden viele Sachen, die Anfangs noch interessant waren, zur Routine, und ich will niemanden mit Belanglosigkeiten belästigen.

Heute aber habe ich meinen endgültigen Stundenplan bekommen.
Nicht irritieren lassen von den vielen weißen Stellen: In dieser Zeit werde ich mich ausschließlich dem Studium widmen. Auch Freitags morgens von 8-14 Uhr.

15. Januar / 18. Tag

Heute war ich bei Laura gewesen, Mathe-Nachhilfe geben. Zitat: "Was ist denn 6,6 - 1 ?" - "Ich weiß es! 5,5 !" Autsch.

14. Januar / 17. Tag

Heute Abend war ich mal wieder auf einer Party eingeladen. Hier in Mexiko ist es nicht unhöflich, sich quasi selbst einzuladen. Während man in Deutschland eine persönliche Einladung des Gastgebers braucht (am besten schriftlich!) um ein legitimer Gast einer Party zu sein, reicht es hier aus, wenn man von nem Freund erzählt bekommt, ders wiederrum von nem Freund erfahren hat, der wiederrum gehört hat wie sich 2 auf dem Gang unterhalten haben, dass ne Party steigen soll. Auf dieser Party waren ca. 40 Leute, und alle Personen mit denen ich mich unterhalten habe, beteuerten, dass sie nicht mehr als 4 Personen auf dieser Party kannten.
Interessant war, dass es keine Musik gab. Warum? Ein CD-Player war ja da gewesen. Doch fand die Party in einem bewachten Wohnblock statt, und wenns der Wache zuviel wird, kappt sie Mr.Bean-mäßig einfach den Strom. Und darauf wollte man dann doch verzichten.

Sunday, January 15, 2006

Freitag, 13. Januar / 16. Tag

Ich bin war bislang nicht abergläubisch. Bis heute.

Nach der Party gestern konnte ich heute lange schlafen: Meine erste Stunde beginnt um 17:30. Ich bin aber 'schon' gegen 12 an die Uni, weil ich mal das Fitnessstudio ausprobieren wollte. Also mit dem Bus zur Uni gefahren. Kaum war ich ausgestiegen und der Bus um die nächste Ecke, dämmerte es mir: Shit, Jacke im Bus liegenlassen. Oh man. In Deutschland würde man irgendwo anrufen, hier ist das nicht nötig: Das Geld kann man sich sparen, denn die Jacke ist mit Sicherheit weg. Also für morgen vormerken: Jacke kaufen.
Pech oder Blödheit? Ja, richtig. Aber der Tag sollte ja noch nicht zu Ende sein...
Also erstmal ins Fitnessstudio gegangen und was für den Wanst getan. Als ich wieder zurück in der Umkleide war und den Schlüssel für mein Spind-Vorhängeschloss aus meiner Hosentasche kramen will, merke ich es: Shit, wo ist mein Spindschlüssel? Also erstmal alle Orte abgesucht, an denen ich im Studio gewesen war. Nach einer halben Stunde erfolglosen Suchens frage ich einen Angestellten, ob sie mir das Schloss aufbrechen können. "Ja, können wir, aber erst in 2 Stunden. Erst dann ist der Mann mit der Flex da...." Okay, 2 Stunden später (ich musste mit verschwitzten Trainingsklamotten auf dem Campus rumgammeln) rückt der Mann mit der Flex an. Es dauerte mindestens fünf Minuten, bis sich die Trennscheibe funkensprühend und kreischend durch das fabrikneue (weil gestern gekaufte) Schloss gebissen hatte. Endlich habe ich mein Zeug und kann duschen.
Manchmal gibt es Situationen, die dauern nur Zehntelsekunden, und doch können sie alles verändern. In meinem Falle sah das so aus: Als ich meine Trainingshose auszog und auf den Steinboden warf, hörte ich ein leises, aber deutliches "Kling!". Und ich wusste, was für ein Geräusch das war: Das Geräusch des Schlüssels eines Vorhängeschlosses, der gerade auf den Steinboden gefallen war. Das Drecksding ist doch glatt durch ein Loch im Säckel bis ins Hosenbein gerutscht und hat sich dort unauffindbar versteckt! AAAAAARRRRGHHHHHHH!!!!!!!

12. Januar / 15. Tag

Heute habe ich nach Wohnungen geschaut. Ich habe mich dazu entschlossen, mir eine Wohnung in der Nähe der Uni zu suchen, das ist für mich einfach praktischer, weil ich je Morgens und Abends einen Kurs habe und dazwischen meistens gähnende Leere. Ich will ja mit Mexis zusammenwohnen, weil man da einfach mehr in Bezug auf die Sprache und die Kultur lernen kann. Ein Angebot war eine Wohnung mit 2 Schlafzimmern für 2 Personen, für jeden 300€. Schick, aber teuer. Als ich am Schwarzen Brett nach Wohnungen suchte, fragte mich ein mexikanischer Opi, ob ich eine Wohnung suche. Er zeigte mir eine Bude, die zwar schon für 170€ monatlich zu haben sei, aber echt nur ein Loch war. Keine Küche, winziges, gammeliges Zimmerchen, gammeliges Bad. Nee, lass mal lieber stecken.
Heute Abend war Uni-Party im Hotel, einem Nachtclub in Querétaro. Das Motto des Abends hieß "Auto-Sardina": Das Auto, das mit den meisten Personen im Auto anrückt, gewinnt. Der Rekord lag glaube ich bei 23 in einem Kleinwagen, der ursprünglich für 5 Personen konzipiert war. Obwohl Mexiko ja noch ein 2. Welt-Land ist, sind die Getränkepreise schon in der 1. Welt angekommen. 3,50€ für ein Bier sind schon guter westlicher Standard (und auch noch HEINEKEN!). Die Party war ordentlich - vielleicht auch weil ich schon recht dreist von einer Mexikanerin angesprochen wurde. 5 Minuten später hatte ich die Handynummern von ihr und ihrer Freundin, und es hätte ein wirklich gelungener Abend werden können, wenn es in diesem Tempo weitergegangen wäre - tja, denkste. Ich hab mir nen Wolf getanzt, aber rumgekommen ist mal leider überhaupt nichts. Alle Versuche, den Abend für mich interessanter zu gestalten, sei es durch engeres Tanzen oder sonstwie, wurden schon im Keime erstickt. Das kommt also raus, wenn sich südamerikanisches Temperament mit ziemlich fiesem Katholizismus paart...

11. Januar / 14. Tag

Heute habe ich mich wieder mit Laura getroffen. Ich glaube die ist echt verknallt in mich, was mir persönlich echt ein wenig unangenehm ist, weil ich sie zwar echt mag, aber mehr auch nicht. Ich habe ihr also erzählt dass das mit uns nichts werden kann, bevor noch irgendwas ernsthaftes passiert. Leider musste ich in meiner Wortwahl drastischer werden, als mir lieb war.
Aber besser ist das.

Tuesday, January 10, 2006

10. Januar / 13. Tag

Heute zum Spanischkurs gegangen - und schon mal voll die Hausaufgaben vergessen. Typisch.
Am Mittag wollte ich mit ein paar Mädels meine Passfotos abholen, denn die kennen sich in der Gegend aus. Dachte ich jedenfalls, denn zielstrebig steigen die Mädels in den "X"- Bus ein. Nach vielleicht 20 Minuten Fahrt gibt eine der beiden zu, dass wir möglicherweise in den falschen Bus eingestiegen sind, und während wir noch überlegen, wird die Gegend draußen immer gammeliger. Als wir dann mitten durch die richtig gammeligen Armutsviertel von Querétaro fahren, frage ich doch lieber mal beim Busfahrer. Mit einem Lachen weist er mich darauf hin, dass die Linie zwar die Richtige ist, wir uns aber unglücklicherweise für die falsche Richtung entschieden haben. Glücklicherweise kommt in diesem Moment gerade der "X"-Bus in die andere Richtung, so dass wir direkt umsteigen konnten. Lange hätte ich in dieser Gegend mit 2 Mädels auch nicht stehen wollen. Das Resultat: Nach ~50 Minuten Fahrt waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer Reise angelangt, zwar ohne Fotos, dafür aber um eine Erfahrung reicher: Erst denken, dann einsteigen.
Heute Abend hatte ich den Kurs "Product Development", der in Englisch ist. Wir müssen in diesem Kurs nach festgelegten Kriterien ein Produkt entwickeln, dass am Ende auch gebaut werden soll und funktionieren muss. Das wird ein Spass!

Monday, January 09, 2006

9. Januar / 12. Tag

Jetzt ist das süße Leben vorbei!
Mein erster "richtiger" Schultag.

Warum Schultag? Naja, das ganze heißt zwar Universität, ist aber de facto Schule. Warum? Nunja, es gibt kleinere Kurse mit max. 20-25 Personen (gut!), heißt aber auch, dass man permanent Aufmerksamkeit vortäuschen muss (schlecht!), außerdem gibt es Anwesenheitspflicht (richtig schlecht!) und man darf nur mit max. 5 Minuten Verspätung einlaufen (Hilfe!!!)
Außerdem muss man das für den Kurs vorgesehene neue Buch käuflich erwerben. Hört sich nicht schlimm an, ist aber so. Warum? Als kleinen Service werden die Bücher direkt auf dem Campus verkauft, natürlich nur als Service für die Studenten. Jedenfalls kostet mich das Buch für den Spanischkurs, sieht übrigens mehr nach Heftchen aus, umgerechnet schlappe 60 - in Worten - SECHZIG Euro(!). Bin mal gespannt was die "richtigen" Bücher für die Ingenieurszunft noch kosten werden.
Ach, nebenbei: Wenn ein Mexikaner seinem Bub/Mädel was Gutes tun will, schickt er ihn/sie auf diese Universität. Dafür muss er allerdings tief in die Tasche greifen: rund 5000€ pro Semester muss man schon hinblättern; und so gesehen machen da die 250€ pro Semester für Bücher ja dann auch nichts mehr aus.

8. Januar / 11. Tag

Erstmal von gestern erholen :)

Gegen mittag war ich mit Juka, einer Studentin aus Japan, in der Stadt. Später sind wir zu den anderen ins BobMarleySiffHaus gegangen, die Studis haben uns auf ein paar Crepes eingeladen. Alles in allem ein eher uninteressanter Tag.

7. Januar / 10. Tag

Bevor ich weitermache einen kurzer Nachtrag von gestern: Selbstverständlich werden auch noch die Fingerabdrücke genommen, wenn der Mexikaner mal was macht dann aber gründlich :)

Tagsüber war ich mit Mia beim Fotografen gewesen; danach sind wir zu ein paar anderen Austauschstudenten, um uns deren neue Bude anzusehen. Sie liegt mitten in der Stadt, gegenüber eine Kirche; das ganze Haus ist im mexikanischen Stil gebaut und hat auch einen gewissen mexikanischen Flair => Kurzum: Total versifft. Aber irgendwie ist der Siff romantisch, der hat was von Barcadiwerbung, Bob Marley, dicken Joints und dem zugegebenermaßen verlockendem Gedanken, dass das ganze Leben nur aus Bier - ääh Entschuldigung! - Barcaditrinken und abgammeln besteht.
Also über die Bude kann man wie gesagt denken was man will, die riesige Dachterrasse jedoch stellt alles andere in den Schatten, im wahrsten Sinne des Wortes. Wer hier oben mit nem Bierchen und ein paar netten Leuten verweilt, und sich nebenbei noch schön in der Sonne räkeln kann, der hat schon echt gewonnen. Ja man, so muss es sein!
Die Jungs & Mädels hätten auch noch ein Zimmer frei, aber ich bin damit nicht zufrieden. Es ist direkt auf dem Dach und sehr klein, sprich: Mit nem Bett ist der Raum zu 80% ausgefüllt. Um mal ein paar Wochen Urlaub zu machen ist es zwar perfekt, aber für 6 oder mehr Monate ist es einfach zu klein. Außerdem haben sie keine Waschmaschine, ein Siff-Bad, keinen Kleiderschrank, und im Sommer ist die Bude wahrscheinlich eher mit einer finnischen Sauna zu vergleichen. Tja, ich werde mich schweren Herzens dann doch mal woanders umschauen müssen.
Ach, diesen Abend war ich mit Laura, deren Schwester und deren Freund unterwegs (also der Freund der Schwester ;) ) Wir waren in einer Bar; gegen zwölf kam eine mexikanische Band auf die Bühne, und alle waren zugegebenermaßen begeistert. Alle? Nein! Fast alle! Ein einsamer Gast aus dem Ausland konnte keinen Gefallen am mexikanischen NDW finden. Naja, zum Glück gibts ja Alkohol...

Saturday, January 07, 2006

6. Januar / 9. Tag



Heute war ein Rechtsanwalt an der Uni, der uns die Einreisebestimmungen erklärte. Naja, mich wird das wohl nichts angehen, dachte ich, denn ich habe ja mein Visum schon in Deutschland beantragt und schon stapelweise Unterlagen vorgelegt.
Moooment, Freundchen, so einfach ist das hier in Mexiko natürlich nicht! Also zuerst benötigen wir alle Unterlagen, die du schon in Deu
tschland vorgelegt hast, hier nochmal. Außerdem brauchen wir von dir 6 Fotos, schwarzweiß, 3 von vorne und 3 im rechten Profil, wie in einem schlechten Gangsterfilm. Die können wir dann bei Bedarf auf die landesweiten Fahnungslisten wegen Menschenhandels oder Terrorismus kleben. Außerdem dauert die Bearbeitungszeit schlappe 8 Wochen, also mit etwas Glück haben sie die Unterlagen wieder, bevor sie ausreisen.

Heute Abend war ich bei Mia gewesen, einer Austauschstudentin aus Kanada. Die hatte sich für ihre Bude einen Access-Point für drahtloses Internet gekauft. - Kein Problem! Sowas hab ich ja schließlich schon hundertmal gemacht, Kinderspiel. 3 Stunden später, als ich noch immer fluchend vor der Kiste hockte, wurde mir sogar Abendessen serviert :)









Friday, January 06, 2006

5. Januar / 8. Tag

Heute abend kam Laura zu Besuch.
Zur Erinnerung: Laura ist die achtzehnjährigegutaussehende Tochter, und außerdem die Enkelin meiner Gastomi.
Das Problem bei Frauen sind meistens diese Alles-oder-nichts Entscheidungen. Für mich wären 30-45% Frau ideal - oder anders ausgedrückt: Die Rechte, nicht die Verpflichtungen. Wenn das nicht geht, dann im Zweifelsfall lieber nichts. Genau das habe ich auch Laura erklärt. Danach waren wir auf meinem Zimmer und schauten DVD. Zumindest ist das die offizielle Version.
Schon komisch, in einem Zimmer geht die Party, im anderen pennt die Omi.....

Wednesday, January 04, 2006

4. Januar 2006 / 7. Tag

Mein erster Schultag!

Heute morgen um halb 8 klopft es an die Tür. Shit, voll verpennt. Naja, ist ja eigentlich eher die Regel als die Ausnahme. Also schnell schnell angezogen und zum Bus gerannt. Puh, gerade noch punktlich in der Uni.
Mit mir fangen noch rund 50 ausländische Studenten an. Die meisten aus den USA, der Rest aus Kanada, Frankreich, Holland, Schweden, Finland. Und auch Deutschland hat sein bestes Pferd ins Rennen geschickt ;)
Die Tec de Monterrey (so heißt die Uni), kurz ITESM ist eine (Geld-)Oase inmitten der (Armuts-)Wüste. Wachmänner vor jedem Gebäude und am umzäunten Gelände. Innendrin: Schöne Gebäude, akkurat geschnittene Rasenflächen und schöne Gärten, überall riesige Flachbildschirme die einen nach orwell'scher Manier mit Informationen wie: "Wussten sie, dass 16% aller mexikanischen Politiker auf der ITESM waren?" versorgen. Natoll.
Ein kostenloses Sportstudio, das unsere Läden in Deutschland bei weitem übertrifft; kostenlose Leihmöglichkeiten für T-Shirts (in rot oder blau), Tennisschläger, Basketbälle usw.
Achso, auf dem Campus gibt es außerdem einen Adidas-Store, aber von Mexiko oder Studentenrabatt ist hier wirklich wenig zu spüren: Umgerechnet 100€ für ein Sweatshirt muss man schon hinblättern.

Morgen (also in wenigen Stunden) muss ich die Kurse ausgesucht haben, die ich nehmen will. Ich habe noch nichts gemacht oder vorbereitet. Natürlich nicht. Jetzt sitze ich da mit dem Kram, und nichts will so recht zusammenpassen. Aber irgendwie wird es schon gehen, ging ja schon immer. Irgendwie.

Heute abend bei ein paar Franzosen auf ner kleinen Party gewesen, war aber nichts besonderes. Immerhin habe ich erfahren, dass ich wohl nicht der einzigste Deutsche an der Uni bin.

Tuesday, January 03, 2006

3. Januar 2005 / 6. Tag

Heute morgen war ich auf der Pferderanch. Eigentlich gab es außer einem Gaul, der auch noch die Grippe hatte, nicht viel zu sehen. Unvorsichtigerweise habe ich übersehen, dass das Vieh auch noch Schnupfen hat. So musste mein T-Shirt auch noch als überdimensionales Taschentuch herhalten. Igittigitt.

Es hätte so schön werden können.
Heute abend war im Haus meiner Gastfamilie die achtzehnjähigegutaussehendetochter, sie heißt übrigens Laura, zu Gast. Ich habe richtig gelegen. Diesen Abend sind wir zusammen ausgegangen, Kaffee trinken im Stadtzentrum. Nette Unterhaltung, ein wenig Händchengehalten, aber mehr war von meiner Seite erstmal net drin. Und dann kam was kommen musste: Irgendwann fragt sie, was ich denn wolle, weil ich sehr zurückhaltend wäre. Und schon muss man sich für irgend etwas rechtfertigen, obwohl ja noch überhaupt nichts gewesen ist.
Total komisch: Da arbeitet man die ganze Zeit auf irgendwas hin, und wenn es dann eintritt, ist man doch total überrumpelt.

Das Resultat dieses Abends: Sie angepisst weil sie nicht weiß was denn nun Sache ist, ich bin angepisst weil sie angepisst ist und ich natürlich auch nicht weiß was Sache ist.

Warum müssen diese Dinge immer so schrecklich kompliziert sein? ;)

Monday, January 02, 2006

2. Januar 2005 / 5. Tag

Heute habe ich versucht, mit dem Bus die Uni zu erreichen. Das Busfahren ist einfach, denn man kann überall einsteigen oder den Bus verlassen. Beim Einsteigen muss man nur winken, und der Bus fährt an den Straßenrand und nimmt einen auf. Der Fahrpreis geht mit 5 Pesos in Ordnung, das sind umgerechnet weniger als 50 Cent. Es gibt sogar einen Studententarif, dann kostet die Sache nur noch 3 Pesos....
Später war ich wieder bei Maria José, diesmal gab es Cacahuate - gemeinhin auch als Erdnuss bekannt. Die wurden in einem Topf mit Wasser über der Flamme gekocht. Wirklich schmackhaft. Nebenbei wurde ich für morgen von ihrem Onkel auf eine Pferderanch eingeladen. Mal schauen was man da so sehen kann.....

1. Januar 2006 / 4. Tag

Was für ein Abend! Um 5 Uhr ins Bett, und erst um 3 Uhr wieder aus der Koje gekrochen. Meine Gastmami ließ es sich fortan auch nicht nehmen, dies auch jedem zu erzählen, sie war sehr amüsiert. Naja, nach dem Aufstehen erstmal Mittagessen. 30 Minuten später wurde ich gefragt, ob ich mit zu Sra. Trini kommen will, Neujahrsessen. Och nee, schon wieder frazen, ich hab doch eben erst gegessen!! Aber zur Erinnerung: Sra. Trini hat eine 18-jährige, attraktive (Single-)Tochter. 15 Minuten später sitze ich schon wieder am Tisch, und es gibt schon wieder Essen. Irgendwie hat es irgendjemand so gedreht (ich war es wirklich nicht!), dass ich neben der achtzehnjährigengutaussehndensingletochter sitzen durfte. Wie praktisch!
Die grüne Soße sah eigentlich harmlos aus, aber nach dem ersten Bissen änderte ich meine Meinung schlagartig. Bei den Worten "Cuidado, pica" sollten spätestens alle Alarmglocken läuten. Denn wenn ein Mexikaner von Pikant spricht, meint er nicht scharf, sondern luzifermäßig ;)

31. Dezember 2005 / 3. Tag

Weihnachten geht in Mexiko nicht bis zum 2. Weihnachtsfeiertag, sondern bis zu den heiligen 3 Königen am 6. Januar. In jedem mexikanischen Haushalt gibt es entweder eine Krippe oder einen Weihnachtsbaum, viele haben auch beides. Diese werden mit Unmengen an bunten, blinkenden Lichtern übersäht, was für europäische Verhältnisse wirklich sehr kitschig wirkt.
Heute Abend bin ich bei den Eltern von Maria José zum Truthahnessen eingeladen. Später, so gegen 3 Uhr nachts, mache ich mich auf den Weg zu der Tochter meiner Gastmami, Sra. Trini, denn auch dort bin ich eingeladen. Sra. Trini hat 3 Töchter, die beiden ältesten sind 30 und 26 und schon vergeben, die andere 18, hübsch und (hoffentlich!) Single. Vielleicht war auch das ein Grund, zu später Stunde nochmal dort vorbeizuschauen. Den mexikanischen Alkopop mischt man sich hier selbst: 1 Glas mit "Refresco", also irgendeiner (Zitronen-)Limo, und dazu ein oder zwei Schnapsgläsern Tequila. Fertig gemixt nennt sich das Gebräu dann "Paloma". Nach 2 von diesem Bomben fing Vater Trini an, Cuadro zu tanzen; und ich durfte gleich mal mit der ältesten Tochter üben. Das schöne ist, dass die Leute hier einfach Spass haben wollen, und weniger Hemmungen haben. Vielleicht lag das aber auch einfach nur an den mexikanischen Alkopops, die schon ganz schön knallen.
Die jüngste Tochter fährt auf elektronische Musik ab, da habe ich also schon mal einen Stein im Brett. Eindruck habe ich auf jedenfall auf sie gemacht, fragt sich halt nur welchen.....

30. Dezember 2005 / 2. Tag

Morgens wurde ich wieder von Maria José abgeholt. So langsam wird mir die Freundlichkeit der Leute wirklich unheimlich, wenn ich dran denke, mit welcher Gleichgültigkeit wir Ausländer in Deutschland behandeln. Die Leute sind echt geduldig, das müssen sie auch, denn meine Sprachkenntnisse sind nach wie vor mies. Ich verstehe zwar viel, aber natürlich tue ich mir immer noch schwer, längere und grammatikalisch richtige Sätze zu bilden. Aber wie gesagt, die Leute haben eine Engelsgeduld, und wenn alle Stricke reißen, unterhalte ich mich in Englisch. Zum Glück hat meine Schwester einen Amerika-Austausch hinter sich. Morgens machen wir wieder eine kleine Tour durch Querétaro -
abends einen Ausflug zu einem Radiosender. Dieser spielt komische mexikanische Volksmusik, die angeblich manchen Jugendlichen hier gefallen soll. Sie klingt - ohne Witz! - wie die typische bayrische "Dicke-Backen-Musik", allerdings mit spanischem Untertitel. Die restlichen Leute hören denselben Müll, den man auch aus deutschen Radios kennt. Maria José und ein paar ihrer Freunde haben hier eine Sendung die sich "Jovenes de hoy" - "Jugendliche von heute" nennt. In dieser Sendung reden sie eine halbe Stunde lang über Liebe, soziale Probleme, Probleme mit den Eltern oder dem Freund - sprich - über alles was Jugendliche interessiert. Obwohl ich nicht alles verstehen konnte, war es eine sehr pathetische Sendung mit viel Herz-Schmerz. Maria José arbeitet außerdem nebenbei noch bei Masterfoods, eine Firma, die Nascherei für Mensch und Tier (M&Ms, Whiskey, Pedigree) vertreibt. Abends waren wir auf einer Party von ihren Arbeitskollegen eingeladen. Allgemeiens Kopfschütteln erntete ich für die Tatsache, dass mich die Fußball-WM nicht interessiert und ich deswegen auch nicht heimfliegen wollte. Es wäre eine gute Idee gewesen, die Chips, die angeboten wurden, an mir vorübergehen zu lassen. Denn diese rächten sich später, als ich im Bett lag, fürchterlich. Na das kann ja heiter werden....

29. Dezember 2005 / 1. Tag

Pünktlich um 8 Uhr stand ich also schon wieder auf der Matte, um meinen ersten Tag als Wahl-Mexikaner zu starten. Meine Gastfamilie besteht aus einer lieben Omi und ihren insgesamt 3 Töchtern, von denen 2 im Haus leben. Gleich zum Frühstück wurde schon mal richtig aufgetischt. Neben bekannten Sachen wie Äpfel oder Bananen gibt es hier aber auch einen Haufen unbekannte Sachen, Früchte, deren Namen ich in Spanisch nicht verstehe und für die es auch wahrscheinlich keine deutsche Übersetzung gibt. Natürlich probiere ich alles, was mir vorgesetzt wird, denn der größte Teil ist wirklich köstlich. Kaum hatte was fertig gegessen, war die Omi auch schon wieder in der Küche verschwunden, um mir Sekunden später was neues auf den Tisch zu stellen. Also wenn das der so genannte Kulturschock sein soll, so ist er doch ein überaus angenehmer :)
Kurz darauf steht auch schon wieder meine große Schwester, Maria José, vor der Tür, und wir machen eine Tour im Auto durch Querétaro. Die 25 Grad gepaart mit Sonnenschein und wolkenlosem Himmel hauen mich echt von den Socken. Vorgestern Mantel und Schal, heute Bermudas und Sonnenbrille. Querétaro, zumindest die Innenstadt, putzt sich heraus. Hier findet man grüne Parkanlagen und schöne antike Gebäude, die viele Touristen aus Mexiko City anziehen. Nachmittags bin ich bei Maria José zum Mittagessen eingeladen. Auch hier gibt es wieder allerlei kulinarisches zu entdecken. Zu jedem Essen gehören Tortillas, das sind runde Teigscheiben aus Mais oder aus Korn. Dazu ein wenig Rindfleisch und Salat mit Erdbeerdressing(!). Ihre Mutti verabschiedete sich mit den Worten "Mi casa es tu casa" - "Mein Haus ist dein Haus". Danke, ich werde es zu schätzen wissen!

28. Dezember 2005 / Anreise

Um 4 Uhr morgens ging es endlich los: Aufstehen, duschen, und dann ab zum Flughafen. Der Flug hatte eine Stunde Verspätung, weil das altersschwache Flugzeug erst noch enteist werden musste. Nach der Landung in Madrid ging es weiter nach Mexiko City. Neben mir saß ein Spanier, der zwar überaus kommunikativ war, allerdings auch ein kleines Hygineproblem hatte. Richtig fies wurde es allerdings erst, als der gute Mann auch noch die Schuhe auszog. Obwohl der Flug wirklich lange dauerte, war auch an Schlafen nicht zu denken. Der Flug über Mexiko City schockiert: Man fliegt 20 Minuten nur über Häuser, Häuser und nochmals Häuser. Über der ganzen Stadt hängt ein dichter grauer Nebel - Mexiko City hat ein massives Smogproblem. Nach der Landung wird einem so langsam die Tragweite der ganzen Unternehmung bewußt. Das Flugzeug spuckt einen irgendwo in der Pampa aus, eine Welt, die noch kein Heindel zuvor betreten hatte. Jetzt bin ich auf mich alleine gestellt.
Nachdem ich irgendwelche Einreiseformulare ausgefüllt hatte, wurde nochmal das ganze Gepäck durchleuchtet. Könnte ja sein, dass irgenjemand in seinem Gepäck eine Knackwurst oder eine Atombombe versteckt hält, die von der deutschen Flugsicherung nicht entdeckt wurde - sicher ist sicher ;)
Eine Frau kam zu mir, deutete auf einen Schalter an einer Konsole: "Push the button, please." - "Why..?" - "PUSH THE BUTTON!!!" - "Jaja, okay, schon gut". Nachdem ich nun besagte Taste gedrückt hatte, kam ein Sicherheitsbeamter und durchwühlte meinen Koffer nach irgendwelchen Lebensmitteln. Er fand aber dann doch nix, und ich durfte meinen Kram wieder zusammensortieren und zu meinem Bus gehen, der mich in meine neue Heimat - Querétaro - bringen sollte. Vor dem Einsteigen Kontrollen wie bei einem Inlandsflug. Das Handgepäck wurde auf Waffen durchsucht; jede Person vorm Einsteigen abgetastet. Die Fahrt dauerte ~3 Stunden, was allerdings kein Problem war weil der Bus extrem komfortabel war. Die Sitzabstände waren so groß, dass man bequem schlafen konnte. Am Busbahnhof in Querétaro traf ich dann meine "große Schwester", eine Mexikanerin, die selbst studiert, und mich durch die Untiefen Mexikos lotsen will. Der Laie staunt, wenn die Mexikaner von ihrem "Städtchen" sprechen, obwohl diese Stadt fast 800.000 Einwohner hat - gegen Mexiko City mit seinen 20 Millionen Einwohnern sehen selbst Frankfurt, Köln und Berlin zusammen wie Vororte aus.

Meine große Schwester - mit vollem Namen heißt sie "Maria Jose Torres Zamudio" bringt mich die ersten Tage bei einer Gastfamilie unter. Nach kurzer Begrüßung durfte ich dann nach insgesamt 26 Stunden Reise endlich mal wieder eine Mütze voll Schlaf nehmen.